Warum Empörung mehr ist als Wut

Shownotes

Warum empören sich Menschen? Was macht erlebtes Unrecht mit ihnen – und wie können Sozialarbeitende verhindern, dass sich ein «Karussell der Empörung» dreht?

Empörung ist mehr als Wut, sagt ZHAW-Dozent Michael Herzig: Sie entsteht dort, wo Menschen sich moralisch im Recht fühlen und Unrecht erfahren.

Sarah Maria Lohr, ehemalige Sozialarbeiterin in der wirtschaftlichen Sozialhilfe und wissenschaftliche Mitarbeiterin der ZHAW, sowie Andrea Ben Salah, die viele Jahre in der niederschwelligen Suchtarbeit in der Stadt Zürich tätig war, unter anderem im Alkoholikertreffpunkt t-alk, im Drogeninformationszentrum DIZ und in der aufsuchenden Sozialarbeit, erzählen, wie sie empörten Klient:innen begegnen. Entscheidend sei, Emotionen ernst zu nehmen, ohne jedes Verhalten zu akzeptieren. «Das stärkste Instrument in der Sozialen Arbeit ist das Gespräch, die Kommunikation, die Beziehung», sagt Sarah Maria Lohr. Denn nachhaltige Veränderung entsteht nicht durch Sanktionen, sondern durch Beziehungen, die auch Konflikte aushalten und nach Rückschlägen bestehen bleiben.

Gerade in der Sozialhilfe oder der niederschwelligen Suchtarbeit treffen Fachpersonen immer wieder auf Menschen, die Ohnmacht, Ausgrenzung oder Machtmissbrauch erlebt haben. Empörung wird so zum Ausdruck einer biografischen Erfahrung – und kann, wenn sie ernst genommen wird, zum Ausgangspunkt für Veränderung werden. Gleichzeitig erinnern die beiden Gesprächspartnerinnen daran, dass Soziale Arbeit nicht nur den einzelnen Menschen begleitet, sondern auch ungerechte Strukturen sichtbar machen und verändern will.

Weiterführende Literatur:

  • Arist von Schlippe: Das Karussell der Empörung. Konflikteskalation verstehen und begrenzen. Vandenhoeck & Ruprecht, 2022.
  • Michael Herzig: Die Kraft der Empörung. Magazin «sozial», Nr. 22, April 2025. Verfügbar in der ZHAW digitalcollection.

Wollt ihr mehr über Soziale Arbeit hören? Dann abonniert diesen Podcast – und am besten auch gleich unseren Newsletter. Wir freuen uns übrigens immer über Feedback und Anregungen für weitere Episoden.

Merci und viel Spass beim Hören.

Transkript anzeigen

00:00:00: Unser heutiges Gesprächsthema heißt Empörung in der sozialen Arbeit.

00:00:06: Meine beiden Gesprächspartnerinnen sind Sarah Lor und Andrea Benzala.

00:00:11: Sarah, in welchem beruflichen Kontext ist die Empörung bis jetzt begegnet?

00:00:18: In sämtlichen beruflichem Kontexten, den ich mich bewegt habe, hauptsächlich war ich allerdings in der wirtschaftlichen Sozialhilfe tätig Berichten.

00:00:31: Andrea, du warst in ein bisschen anderen Handlungsfelder sozialen Arbeit unterwegs?

00:00:37: Welches Wort ist das?

00:00:38: Mir ist die Empörung begegnet in meinen fünfzehnjahren Erfahrungen in der niederschwelligen Suchtarbeit.

00:00:45: Also einen wunderbare Erfahrungsschatz und den schauen wir jetzt gleich etwas näher an!

00:00:53: Sozial – Ein Podcast der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaftler

00:00:57: zum

00:00:57: Nachdenken

00:00:58: und Handeln in sozialer Arbeit.

00:01:05: Herzlich willkommen zum Podcast Sozial der ZAW Soziale Arbeit.

00:01:09: Mein Name ist Michael Herzig, ich unterrichte und forsche hier seit langer Zeit Und ich steige ein in unser heutiges Gespräch mit einer kleinen persönlichen Geschichte.

00:01:21: Es geht um einen Freund von mir.

00:01:23: Der hat in seinem Leben viel Ungerechtigkeit erlebt Strukturelle Diskriminierung, rassistische Diskriminierungen Machtmissbrauch in sozialen Institutionen, Jugendheimen, Kinderheimen.

00:01:37: Damit geht er durchs Leben mit diesen Erfahrungen und diese Freund kommt nun eines Tages in eine Polizeikontrolle.

00:01:45: die Polizei will seinen Ausweis sehen.

00:01:48: Er verweigert dies.

00:01:50: Das schackelt sich hoch.

00:01:52: Am Schluss liegt er am Boden Ein Polizistenknienrücken Die Hände in Handschellen gefesselt Und seine Schulter ist ausgekugelt.

00:02:02: Und was mich nun interessiert ist, weshalb er dies tut.

00:02:05: Ich habe ihn dann später mal gefragt ja... Was aber hast du nicht einfach den Einausweis gezeigt?

00:02:11: Wäre einfacher gewesen.

00:02:13: und dann hab ich gemerkt dass sich diese Situation nur aufgrund seiner Biografie aufgrund all seiner angesammelten Ohnmachtserfahrung eigentlich verstehen kann.

00:02:23: Was er da tut ist die Empörung kocht ihm hoch, die Empörungen über das erlittene Ohnrecht in dieser Situation Und er kann eigentlich auch um seine Selbstachtung zu bewahren und gar nichts anderes als den Ausweis nicht zu zeigen.

00:02:40: Das heißt, was wir sehen in dieser Situation ist eigentlich welche Kraft Empörung entwickeln kann.

00:02:50: Habt ihr Empörung von jetzt von Adressaten, Adressatinnen?

00:02:56: Auch schon einmal in eure Berufspraxis also etwas Positives, Konstruktives, Gutes erlebt!

00:03:03: Ja, also ich immer wieder.

00:03:07: Also ich würde behaupten Empörung ist Emotion und Emotion ist immer einerseits Information aber auch Energie.

00:03:16: Und wo Energie ist, ist auch Veränderungspotenzial und Möglichkeit.

00:03:21: Ich habe das immer als offensichtlicheren Ansatzpunkt empfunden mit jemandem zu arbeiten der weitgehend resigniert ist zum Beispiel, von dem her.

00:03:34: ich habe das immer als Ressource gesehen.

00:03:38: Ich würde nicht sagen dass ich es immer als ressourcene gesehen habe aber also ich kann dir zustimmen dass es eine energie freisetzt die ein veränderungswillen mit sich trägt.

00:03:47: ich finde die andere ressource die empörung aufreilegen kann es dass wir als professionelle erst auf missstände hingewiesen werden die uns vielleicht vorhin gar nicht so offensichtlich vorgekommen sind.

00:04:02: Ich glaube, es gibt Empörungen die deutlich ersichtlich ist, die wir auch in unserem Alltag sehen können und ich glaube aber auch dass wir einen neuen Blickwinkel gewinnen können wenn wir die Empörung der Klientinnen und Klienten das erste Mal wahrnehmen vielleicht auf eine Thematik die gar nicht wie gesagt offensichtlich für uns war.

00:04:23: Die Frage der Energie die in der Empörung steig bringt mich natürlich jetzt zur Definitions Frage.

00:04:29: Was ist eigentlich Empörung?

00:04:32: Ich frage immer mal wieder im Unterricht, wenn ich mit Adressatinnen und Adressaten gemeinsam unterrichten, was Sozialarbeitende tun müssen, damit sie so richtig, richtig wütend werden.

00:04:43: Und die Antwort ist häufig – ich muss das Gefühl haben, dass das, was die Sozialarbeitenden tun unverhältnismäßig oder übergriffig ist

00:04:55: usw.,

00:04:56: d. h. Der Unterschied zwischen Blinderwut oder Wut und Empörung ist eigentlich das Gefühl, moralisch im Recht zu sein.

00:05:06: Das Gefühl, dass einem unrecht getan wird.

00:05:09: Davon sprechen wir eigentlich wenn wir von Empörung sprechen Und wenn wir so eine klassische Beratungssituation haben in der Sozialarbeit.

00:05:19: Da kommt vielleicht mein Freund, dessen Geschichte ich erzählt habe Mit seinen ganzen Rucksack aus Erfahrungen kommt Vielleicht in einer Bratung bei wirtschaftlichen Sozialhilfe.

00:05:30: Da muss er Formulare ausfüllen, seitenweise warten und irgendwann mal knedigerweise aus seiner Sicht wird er dann vorgelassen und auf seine Geschichte erzählen.

00:05:40: Und dann ist der schon dermaßen empört dass der Tonfall und die Wortwahl vielleicht nicht so ganz politisch korrekt sind.

00:05:49: Die Sozialarbeiterin dann ihrerseits wiederum reagiert vielleicht auf diese Äußerlichkeit des Tonfalls die Terminologie und ist ihrerseits empört über die Respektlosigkeit, die da kommt.

00:06:01: Und dann haben wir – wie das im Konfliktmanagement so schön heißt – ein Karussell der Empörung.

00:06:08: Zwei Leute, die sich gegenseitig hochschaukeln und beide glauben es ist einem recht.

00:06:14: Darum geht es eigentlich heute.

00:06:16: Wir schauen uns also primär mal Beratungssituationen an Und als erstes möchte ich in die wirtschaftliche soziale Hilfe gehen.

00:06:25: Da haben wir einen riesigen Machtunterschied, Wir haben auch den Hintergrund des Sozialer Ungleichheit.

00:06:33: Menschen sind auf Unterstützung angewiesen.

00:06:36: Sarah da ist Empörung ja eigentlich vorprogrammiert.

00:06:42: Ja also Ich würde da schon differenzieren wollen, weil die Menschen, die in die Sozialhilfe kommen und die Geschichten, die sie mitbringen sind wahnsinnig unterschiedlich.

00:06:51: Und nicht alle kommen mit dieser Grundempörung.

00:06:55: Aber wenn man jetzt eine Geschichte voraussetzt so wie du sie erzählt hast von deinem Freund dann ist das tatsächlich eine einigermaßen logische Konsequenz auch – und das ist mir natürlich immer wieder begegnet.

00:07:08: Und um dieses Karussell der Empörung aber eben nicht anzustoßen, ist es wichtig als Sozialarbeiterin eine Kontextensibilität zu haben und zu verstehen dass wir in einem ungleichen Verhältnis sind.

00:07:22: Das macht eine Rolle spielt das ich unter Umständen im Moment auch ein System repräsentiere mit dem man gegenüber schlechte Erfahrungen gemacht hat und dann geht es eben darum das ernst zu nehmen aufzunehmen Und dann mit der Energie, die ja im Raum ist zu arbeiten.

00:07:41: Das heißt du bist dir immer bewusst dass du eigentlich die ganze Macht des Staates repräsentierst wenn du da sitzt und trotzdem eigentlich diese Macht des States etwas verringern solltest?

00:07:55: Ja das ist eine der spannenden Aufgaben die sich im Rahmen der wirtschaftlichen Sozialhilfe stellen einer Organisation, aber auch einer Gemeinde, einem Staatswesen.

00:08:08: Einem System verpflichtet ist und gleichzeitig natürlich das Ziel verfolgt ausgehend von der Einzelfall Hilfe auf Augenhöhe eine Arbeitsbeziehung aufzubauen.

00:08:19: Diesen Tanz zu tanzen ist das was schwierig ist, aber also wahnsinnig spannend!

00:08:26: Tanz tanzen, ein schönes Bild.

00:08:28: Welchen Tanz tanzt du denn in der niederschwelligen Sozialarbeit?

00:08:32: Dann müssten ja aufgrund des lockeren Settings die Emotionen besonders hoch kochen.

00:08:40: Welcher Tanz man tanzt kommt extrem darauf an, in welchem niederschwälligen Setting das man gerade am Tanzen ist weil niederschwellige Angebote können im öffentlichen Raum sein.

00:08:53: Das heißt, ich gehe selbst als Sozialarbeiterin in den Lebensraum der Klientel.

00:08:59: Was dann wiederum eine ganz andere Rolle ist.

00:09:01: also wenn ich in einem Treffpunkt arbeite wo die Klientinnen und Klienten zu mir kommen?

00:09:06: In den Treffpunkten weil dort habe ich auch wieder eine Machtposition und kann zum Beispiel Hausverbote verteilen was sich immer ungern gemacht haben aber ist dann halt so.

00:09:18: Und ich glaube, es braucht im niederschwelligen Bereich je nach Setting ein ganz spezielles Rollenverständnis weil man die Rolle auch wechselt.

00:09:26: Weil ich teils viel oder nicht viel aber sehr nahe am menschlichen dran bin.

00:09:31: das kann sein dass mir eine Klientin von ihrer Gewalterfahrung in der vorherigen Nacht erzählt und dann bin ich vielleicht nicht die Sozialarbeiterin sondern gerade die Schwester, die Mutter, die beste Freundin.

00:09:45: Es kann sein Leute wirklich das Eingemachte erzählen.

00:09:51: Und ich muss die Rolle wechseln können von... ...im Mutter, beste Freundin, Schwester aber auch Sozialarbeiterinnen und Case-Managerinnen und Köchin und Arbeitsagogen.

00:10:08: Es kommt extrem drauf an!

00:10:09: Und die Emotionen?

00:10:10: Ich würde nicht sagen dass sie stärker sind Aber Sie sind vielleicht auch geprägt einer psychischen Störung, die gerade nicht behandelt ist.

00:10:20: Also medikamentös oder anderweitig?

00:10:22: Oder eine Intoxikation mit diversen Substanzen?

00:10:26: Ich glaube in der Niederschwelligkeit kommt man noch schneller oder direkter an Settings heran bei denen gewisse Umstände nicht kontrollierbar sind.

00:10:39: Danke vielmals!

00:10:40: Es ist ein schöner Einblick in das Niedeschwellige.

00:10:43: es bringt mich auf das Thema Was ja in der sozialen Arbeit immer wieder präsent ist, die sogenannte professionelle Distanz.

00:10:55: Du hast eben gesagt du hast verschiedene Rolle und nicht alle haben dieselbe Distanz zu den Klientinnen und Klienten.

00:11:03: Meine Anschlussfrage ist jetzt wenn du einen empörten Menschen wirklich so mit einem moralischen Impetus empört?

00:11:13: wirst du dann die Distanz eher verringern oder eher vergrößen?

00:11:17: in der Arbeit?

00:11:19: Ich denke, das kommt darauf an wie sehr ich mich mit dem Grund der Empörung identifizieren kann.

00:11:25: Weil es spielt auch eine Rolle!

00:11:26: Es ist in der sozialen Arbeit ein ständiges Abwägen der eigenen Werte und Normen und wie diese mit den Werten und Nomen der Klientinnen und Klienten übereinstimmen oder eben nicht.

00:11:37: Ich denke einen Ansatz ist halt zu erkennen wenn man zu sehr mitschwingt.

00:11:46: Ich kann mitschwingen bis zu einem gewissen Grad, aber nicht vollständig.

00:11:51: Weil wenn ich dann mit dem Klientin zusammen in der Ecke sitze und heule, ist niemandem geholfen.

00:11:58: Das kann man schon mal machen, aber regelmäßig macht das keinen Sinn.

00:12:05: Also ich denke, man kann die Empörung durchaus sehr ernst nehmen und auch anerkennen dass man selbst In diesem Moment sagt, okay ja das verstehe ich sehr gut.

00:12:19: Das fühle ich auch in mir.

00:12:21: aber dann muss sich wieder einen Schritt zurück machen und die professionelle Distanz wahren und sagen ok was machen wir jetzt damit?

00:12:27: Ich möchte bei den Emotionen der Clinton-Clientinnen bleiben.

00:12:31: Die Frage an Sarah jetzt in der wirtschaftlichen Sozialhilfe Kannst du immer alle Emotionen deiner Klientinnen gleich ernst nehmen?

00:12:46: Ja, das würde ich ziemlich klar mit einem Ja beantworten.

00:12:51: Aber vielleicht muss man differenzieren zwischen Emotion und Verhalten.

00:12:57: Also die Emotion habe ich immer gesehen als etwas Seien des, was ist versuche ich und möchte ich ernst nehmen.

00:13:07: Und eigentlich in der Regel auch immer möglich gewesen, also ich hatte jetzt keine Klientinnen die Gefühle hatten, die komplett im luftleeren Raum standen.

00:13:17: In der Regel haben die Menschen gute Gründe dafür warum sie etwas fühlen und empfinden und dann gibt es aber durchaus Grenzen im Verhalten welches ich unterstütze, mittrage oder sogar schütze.

00:13:34: Und das ist dann manchmal wieder ein anderer, ein neuer Tanz wo auch dieses Thema von Nähe und Distanz rein spielt dass man wie beides sendet oder dass man manchmal sagen muss sich verstehe woher du jetzt gerade kommst.

00:13:49: Ich fühle mit dir was du fühlst und kann das nachvollziehen.

00:13:53: was du jetzt grade daraus machst ist für mich aber schwer nachvollziehbar und gehe ich nicht mit, zum Beispiel.

00:14:02: Das wäre wirklich ein richtiger Unterschied zwischen dem was die Menschen sind in einem Augenblick und dem was sie tun.

00:14:10: In diesem Augenblick, okay das leuchtet mir rein!

00:14:14: Wir bleiben beim Tun.

00:14:16: jetzt gehe ich in Situationen bei denen Pläntenpläntin vielleicht einen psychischen Ausnahmezustand sind Empört sind aus irgendeinem Grund, wütend.

00:14:28: Das geht in Wut, Aggression was auch immer.

00:14:31: Der Punkt ist aber sie haben keine alternativen Handlungsmöglichkeiten.

00:14:36: also wir sind im Sein und im Tun Und wenn die Leute das was sie tun tun weiß ich gar nicht anders können weil sie keine Alternativen sind dann haben auch wir eingeschränkte Handlungs Möglichkeiten.

00:14:48: Andrea in der niederschwelligen Arbeit hast du sicher häufig solche Situationen erlebt.

00:14:54: Wie bist du damit umgegangen?

00:14:56: Es kommt ein bisschen auf die Situation drauf an, weil es kann schon sein dass mich eine Klientin mal als Arschloch betitelt aber das nehme ich nicht persönlich.

00:15:04: Weil das ist meine Rolle die wird und nicht ich als Person.

00:15:08: Es gibt aber auch Situationen wo eine Handlung nötig ist wenn jemand eskaliert in Der Empörung, ich habe einen Klienten gehabt.

00:15:18: Er hat regelmäßig Leute angespuckt wenn er nicht bekommen hat was er wollte.

00:15:22: das war oft in Zusammenhang mit Geld oder mit Substanzen und Wenn er dann Leute angespuckt hat hat dass immer wieder zu Ausschluss aus Angeboten geführt.

00:15:36: es hat so Anzeigen geführt weil auch die Polizei bespuckt.

00:15:39: Das ist dann Drogen- und Gewalt gegen Beamte.

00:15:42: dafür kann man ins Gefängnis kommen.

00:15:46: Mich hat er nie angespuckt, weil ich ihm auch ganz klar gesagt habe hey kannst mich schon anspucken aber nur einmal.

00:15:53: Weil ich werde dich anzeigen und er hat es bis jetzt nicht gemacht Holz anfassen.

00:16:03: Aber grundsätzlich ist es so dass auch Verhalten das nicht akzeptabel ist.

00:16:08: Es kann sanktioniert werden oder es muss sanktionen werden und eine klare Grenze gesetzt werden.

00:16:13: die Beziehung bleibt aber aufrechterhalten, weil auch wenn er mich angespuckt hätte.

00:16:18: Ich hätte ihn angezeigt okay, aber ich wäre ihn nachher trotzdem wieder auf der Straße aufsuchen gegangen und ich hätte das mit ihm thematisiert.

00:16:25: Ich hatte ihm gesagt hey!

00:16:26: Das ist mir angespuckt.

00:16:27: jetzt hast du die Anzeige am Hals.

00:16:28: ja heißt aber nicht dass wir nicht miteinander weiterarbeiten können.

00:16:32: Und ich glaube in der Niederschwindigkeit ist die Beziehungsarbeit des A und des O und diese Beziehung zu erhalten während man gleichzeitig Grenzen setzt So die Best Practice.

00:16:46: Das heißt eigentlich, es geht darum immer nicht nur eine zweite Chance sondern auch eine hundste Chance.

00:16:53: Im

00:16:54: niederschwelligen Suchtbereich gibt es

00:16:57: Millionen von Chancen

00:16:58: weil wir können gar nicht

00:17:00: anders.

00:17:01: Hast du denn auch die Möglichkeit jetzt in diesem Beispiel diesen Mann der nicht anders kann aus Spucken im andere Handlungsmöglichkeiten aufzuzeigen?

00:17:12: Insochen Situation.

00:17:14: Jetzt in diesem spezifischen Fall würde ich sagen eher schwierig, weil er grundsätzlich wenn er nicht gerade im Gefängnis ist sehr intoxikiert und jetzt nicht so... ...in der Lernphase ist.

00:17:27: Das ist einfach schwierig, wenn man mit jemandem zu tun hat, der ständig auf Crack ist.

00:17:30: Ja

00:17:31: natürlich.

00:17:32: Sorry!

00:17:35: Aber ich glaube mit dem Städtigen wirklich auch wiederkommen und der Person zeigen.

00:17:42: so Pass auf, ich bin immer noch hier.

00:17:45: Ich bin noch da wenn du mich brauchst und ich komm' im Fall auch wieder!

00:17:50: Du wirst mich nicht mehr los.

00:17:53: Das verändert schon etwas.

00:17:55: Dass er auch weiß, er muss mich nicht anspucken.

00:17:58: Und er muß das bisher auch nicht.

00:18:00: Also er weiß... ...ich komme wieder.

00:18:03: Egal was er macht.

00:18:04: Er hat mir gar noch angeschrien und mir schlimme Sachen gesagt aber gespuckt er denn nicht?

00:18:11: Das heißt, wenn ich das jetzt wieder aufs Thema Empörung beziehe.

00:18:15: Unsere Handlungsrepetuart als Sozialarbeiter geht über die jeweilige Situation hinaus, die konfliktiv sein kann und angenehm sein kann.

00:18:28: aber eigentlich geht es darum eine sozialarbeitische Arbeitsbeziehung über einen längeren Zeitraum aufrechtzuerhalten und nur darin liegt dann das Potenzial für Veränderungen.

00:18:39: habe ich dich richtig verstanden?

00:18:41: Das kann ich so bejahen, ja.

00:18:44: Weil auch in der Beziehung es kann Unterbrüche geben natürlich aber die Bereitschaft, die Beziehungen aufrecht zu erhalten verändert schon sehr vieles weil jetzt also in meinem Fall die Klientel der niederschwöhnlichen Sozialarbeit hat oft Beziehungsabbrücher erlebt und wenn sie die gegenteilige Erfahrungen machen können dass eine Beziehion erhalten bleibt auch wenn sich nicht perfekt verhalten das bringt schon sehr viele.

00:19:10: Das ist ein wichtiges Thema, die sozialarbeiterische Beziehung in relativ niederschwelligen, das heißt nicht so verbindlichen Settings.

00:19:21: Ich gehe jetzt wieder in das andere.

00:19:25: Wenn das Gegenbeispiel eigentlich stark strukturierte gesetzlich reguliertes Setting der wirtschaftlichen Sozialhilfe, da ist ja alles viel einfacher Sarah.

00:19:34: Da kannst du ja einfach das Geld als Steuerungsinstrument einsetzen oder nicht?

00:19:40: Ich würde diese Frage tatsächlich mit Jein beantworten.

00:19:44: Das komplett zu verneinen finde ich nicht richtig.

00:19:50: es gibt konkrete Spezielle Situationen, in denen eine finanzielle Sanktionierung tatsächlich eine kurzfristige Verhaltensänderung herbeiführen kann.

00:20:01: Zum Beispiel wenn jemand Seit Wochen eine bestimmtes Dokument nicht einreicht.

00:20:06: Man hat Briefe geschrieben, man hat angerufen, E-Mails gemacht und das Dokument kommt nicht.

00:20:11: Irgendwann gibt es die Auflage des rechtlichen Gehörs.

00:20:13: Dann kann die Kürzung passieren, dass jemand erst wenn diese Aktion erfolgt ist an den Schalter kommt sagt ich habe hundert Franken wenig bekommen.

00:20:22: was ist das Problem?

00:20:24: Man dann sagen kann ich brauche diese Krankenkassenpolise.

00:20:29: Wenn es aber um Mittel- oder langfristige Verhaltensveränderungen geht, sind Sanktionen überhaupt nicht hilfreich.

00:20:37: Für mich waren Sanktsionen immer eine gesetzliche Möglichkeit die im Rahmen einer Ultima Ratio anzuwenden ist und das stärkste Instrument in der sozialen Arbeit ist aber das Gespräch, die Kommunikation, die Beziehung und nur darüber funktionieren langfristige oder mittelfristige Verhaltensveränderungen.

00:20:58: Und da sind dann die Sanktionen im Gegenteil negativ, also die lösen Gefühle von Ohnmacht, Frust und Unverständnis aus was auf die Beziehung in aller Regel nicht

00:21:09: einzahlt.".

00:21:10: Das erinnert mich jetzt gerade an einen eigenen Trigger.

00:21:13: Also einer meiner persönlichen eigenen Triggers ist Bürokratie.

00:21:19: Und das sehe ich auch bei vielen Betroffenen, Adressaten in sozialer Arbeit.

00:21:28: Wir können die ja wirklich gewählen mit Formularen und Abläufen und Vorgaben und Regeln.

00:21:37: Und da kann ich wirklich mitfühlen, weil das bringt mich selbst auch zum Schäumen.

00:21:44: Würdest du dann sagen ... Auch im so hochregulierten Bereich wieder?

00:21:49: Sozialhilfe müssten wir so niederschwellig wie möglich arbeiten?

00:21:53: Ja, unbedingt.

00:21:55: Also es macht alles einfacher abgesehen davon dass wir inzwischen auch wissen das diese hohen Hürden die unter anderem durch die Bürokratie gesetzt werden auch dazu führen dass Menschen die eigentlich Anspruch hätten auf bestimmte Leistungen die nicht nur das hat nicht beziehen weil sie schon dermaßen empört sind von unserem System sondern weil sie schlicht daran scheiten.

00:22:18: Und damit verfehlen wir natürlich auch unsere sämtlichen sozialarbeiterischen Ziele.

00:22:24: Deswegen unbedingt alles, was den Zugang zu Hilfestellungen niederschwelliger macht, sollten wir unterstützen und

00:22:32: ermöglichen.".

00:22:34: Das bringt mich eigentlich schon zur ersten Frage des Endes dieser Diskussion.

00:22:42: persönlich an euch beide!

00:22:44: Wie verhaltet ihr euch eigentlich, wenn ihr euch ungerecht behandelt fühlt?

00:22:53: Gesetzeskonform.

00:22:54: Selbstverständlich natürlich aber oder

00:22:59: und?

00:22:59: Nein, ich glaube es ist ein bisschen schwierig weil ich persönlich bin ein Mensch.

00:23:06: Ich empöre mich und dann überlege mir Ist diese Empörung jetzt gerechtfertigt?

00:23:11: was ist genau passiert?

00:23:13: welche moralischen und ethischen Grundsätze meines Daseins mit meinem Gehirn wurden verletzt, dann evaluiere ich das.

00:23:20: Und dann komme ich zum Schluss ob meine Empörung korrekt war oder nicht?

00:23:23: Dann spreche ich es unter Umständen an oder vielleicht auch nicht.

00:23:28: Es ist ein Prozess!

00:23:29: Selbstreflexion... Ein Paradebeispiel von Selbstreflektion

00:23:35: Ja da kann ich nicht mithalten.

00:23:40: Wenn es jetzt wirklich in einer persönlichen Beziehung stattfindet, dann hilft mir mein ganzes Wissen über Wiederstände und Empörung herzlich wenig.

00:23:49: Dann passiert mir dasselbe was allen passiert, dann bin ich emotional.

00:23:54: Und nur bedingt steuerungsfähig habe inzwischen natürlich Erfahrungen gesammelt die es mir dann manchmal ermöglichen aus der Situation zumindest rauszugehen bis sich wieder irgendwie besser damit umgehen kann.

00:24:07: Das ist die persönliche Ebene, aber dann gibt es natürlich auch so eine die größere, die gesellschaftliche, die globale Ebene mit viel Ungerechtigkeit konfrontiert sind und das löst bei mir oft ihre Gefühle von Ohnmacht und auch Traurigkeit und Hilflosigkeit aus.

00:24:25: und da muss ich immer mal wieder schauen was habe ich für Möglichkeiten wieder Kraft und Hoffnung zuversicht zu schöpfen?

00:24:34: Für mich die Welt, die Klientinnen?

00:24:37: und dann natürlich mir die Frage zu stellen was kann ich denn im Rahmen meiner Möglichkeiten sei das als Privatperson oder als Sozialarbeiterin in meiner Position konkret dazu beitragen dass sich im besten Fall etwas verändert.

00:24:54: Also was wir wahrscheinlich alle zu verhindern suchen das interpretiere ich jetzt aus euren Antworten ist zu resignieren.

00:25:02: Wir wollen nicht resignieren weil Resignation ist ein, wollte ich fast einen Schimpf fort sagen.

00:25:09: Ist ein blödsches Gefühl!

00:25:12: Und so geht es natürlich auch unseren Adressatinnen und Adressaten.

00:25:17: Also das heißt wir müssen ihnen irgendwie helfen die Empörung in etwas konstruktives umzuwandeln, wie wir das bei uns selbst auch versuchen.

00:25:26: Und genauso wie wir selbst manchmal daran scheiten, scheitern halt auch unsere Adressate und Adresate daran.

00:25:33: Ist das schön zusammengefasst?

00:25:35: Ich

00:25:35: würde sagen, ja.

00:25:37: Dann komme ich jetzt wirklich zur letzten Frage.

00:25:40: wieder im Gesprächsberatungssetting in der sozialen Arbeit da gibt es ja den Begriff des stellvertretenden Hoffnungen.

00:25:47: also wenn Menschen keine Hoffnung mehr haben dann können wir vielleicht stellvertreten für sie Hoffnung aufbauen und auch für Mittel.

00:25:56: meine Frage ist jetzt gilt es auch für Empörung Können wir auch stellvertretend uns empören für unsere Adressatinnen und Adressaten?

00:26:07: Und diese Empörung dann irgendwie konstruktiv einsetzen.

00:26:10: Was meint ihr?

00:26:12: Für mich, ich denke schon ja grundsätzlich... Also es ist schon ein bisschen so was Sarah vorhin gesagt hat, wenn man sich die Welt anschaut muss man eigentlich empört sein!

00:26:23: Ich glaube das lässt sich ein bisschen übertragen auf unser soziales System.

00:26:30: Es ist nicht perfekt, es ist überhaupt nicht perfekt.

00:26:33: Ich meine wir haben viele gute Ansätze und auch ein System das funktioniert, das muss man auch mal ganz klar sagen.

00:26:40: aber aus der Perspektive der Klientel ist es schon ein System dass einen zermatern kann und ich denke darüber können wir empört sein dürfen wir auch empört seien?

00:26:54: Wir sollten es nur konstruktiv nutzen.

00:26:58: Es kann auch gut möglich sein, dass Klientinnen und Klienten tatsächlich an einem resignierten Ort sind.

00:27:04: Und dort ist unsere Empörung dann die, die eigentlich greifen sollte – das wir hingehen und kämpfen für die Menschen, die es selbst nicht mehr können weil sie nicht mehr im Stande sind aus verschiedenen Gründen.

00:27:18: Ja dem kann ich absolut beipflichten.

00:27:22: Und eben, es ist auch hier wieder so diese Balance oder zwischen empathisch Mitschwingen, Empörung teilen, Empörung verstehen und gleichzeitig aber dann den Moment nicht zu verpassen wo man da auch wieder rausgehen muss.

00:27:35: Und sagen muss sie wir spielen eigentlich beide nach denselben Spielregeln Wir sind beide von denselbem Grenzen betroffen im moment strukturell gesellschaftlich rechtlich.

00:27:44: Und jetzt müssen wir uns aber überlegen, was können wir innerhalb der Spielräume die uns bleiben tun und dann darüber hinaus aber.

00:27:52: Und da sind wir vielleicht bei dem, was mich ganz am Anfang auch für die soziale Arbeit eigentlich angezündet hat oder dass wir ja nicht nur die Möglichkeit haben vom Individuum von Menschen aus zu arbeiten sondern immer auch den Auftrag haben zu überlegen welche Strukturen sind denn dafür verantwortlich das wir im Moment hier so empört sitzen zusammen?

00:28:14: Und dann zu überlegen welcher Auftrag er gibt sich eigentlich daraus für die soziale Arbeit.

00:28:18: Was sind die Gefäße?

00:28:20: Wir sind die Menschen, die Netzwerke, die ich knüpfen muss um da im besten Fall ein bisschen Bewegung reinzubringen und das macht uns selbst ja auch wieder handlungsfähig.

00:28:31: Munderbar ausgedrückt!

00:28:33: Danke vielmals.

00:28:34: darüber was wir mit unserer Empörung über ungerechte Strukturen machen können wir vielleicht einen anderen Mal noch diskutieren wäre noch spannend.

00:28:43: Heute waren wir im Beratungssetting.

00:28:45: Danke vielmals für das spannende Gespräch!

00:28:47: Vielen Dank, haben mich gefreut.

00:28:53: Das war die heutige Folge des Podcasts Sozial der ZHW Soziale Arbeit.

00:28:58: Sie können diesen Podcast abonnieren wenn sie wollen und wenn sie es noch nicht getan haben.

00:29:03: Sie können uns auch jederzeit Kommentare und Anregungen schicken.

00:29:07: dafür sind wir dankbar.

00:29:09: Es gibt auch ein Kommentarfeld da könnt ihr direkt reinschreiben was sie denken.

00:29:14: Ich bedanke mich bei Ihnen fürs Zuhören und bei allen, die diesen Podcast ermöglicht haben.

00:29:20: Herzlichen Dank und bis zum nächsten Mal!

Neuer Kommentar

Dein Name oder Pseudonym (wird öffentlich angezeigt)
Mindestens 10 Zeichen
Durch das Abschicken des Formulars stimmst du zu, dass der Wert unter "Name oder Pseudonym" gespeichert wird und öffentlich angezeigt werden kann. Wir speichern keine IP-Adressen oder andere personenbezogene Daten. Die Nutzung deines echten Namens ist freiwillig.